Dubai World Cup 2010

Mir wurde gesagt, dass wenn sich am 27. März 2010 die Boxen in Dubai öffnen, geht es für die Teilnehmer um die höchste Summe an Preisgeldern, die bislang in einem einzelenen Rennen ausgeschüttet wurden. Und das wollte ich mir natürlich nicht entgehen lassen.

Dort wurde der 7. Dubai Racing Carnival auf der nagelneuen Anlage „Meydan“ eröffnet, wie es keine andere auf der Welt gibt. Sie zu beschreiben ist fast unmöglich. Meydan ist nicht nur ein Kunstwerk der Ingenieure und Architekten, die den riesigen Rennbahnkomplex, mit der 1,6 Kilometer langen Tribüne für 60.000 Besucher im Mittelpunkt, in der Form eines fliegenden Falken – traditionelles Symbol der arabischen Kultur – entstehen ließen, es ist auch eine neue Dimension von Vollkommenheit und Luxus. Die Gesamt-Philosophie für das neue Meydan City hieß Partnership, Community und Sporting Excellence. Und Meydan, simpel übersetzt, heißt „Treffpunkt“. Der Rennbahnkomplex, mit Tribüne, 5-Sterne-Hotel, einem Dutzend Restaurants, modernster Rennbahntechnologie, Luxus und Komfort in allen Bereichen, erhielt auch zwei Bahnen, die nicht mehr, wie in Nad Al Sheba, nach amerikanischem Modell angelegt wurden. Außen liegen nun 2.400 Meter Turfbahn, und innen davon ein 1.750 m Tapeta-Geläuf.

Deshalb habe ich am Samstag Morgen meinen Computer angeschmissen und wollte mich erkundigen, wo ich ein Ticket für diesen Event erstehen kann. Hier in den Emiraten macht man alles erst in letztet Sekunde und es ist alles hier so wirr, dass es nicht auffällt wenn man auch wirr ist. Nachem ich erstmal Ewigkeiten nichts gefunden hatte, bin ich, als ich dann endlich an Informationen gekommen bin, fast ohnmächtig geworden. An dem Renntag werden keine Tickets mehr verkauf!!!!!!

Ich bin hysterisch geworden und hab mich so über mich selber geärgert. Wie kann man auch nur so blöd sein und sich erst in letzter Sekunde darum kümmern. Ich dachte ich bin einfach schon zu arabisch geworden. Außerdem habe ich einen Zeitplan gefunden und da ich zu dem Zeitpunkt schon nicht mehr klar denken konnte, habe ich mir umrechnungsmäßig ausgerechnet, dass das Rennen um 12 Uhr losgeht. Und als ich es las war es 11 Uhr. Leider habe ich die Zeitumstellung zurück und nicht vor gerechnet! Total hysterisch bin ich durch die Wohnung gerannt und habe versucht mich fertig zu machen und gleichzeit auch noch telefoniert und versucht Karten zu organisieren. Sascha konnte das nicht länger mit ansehen und hat dann die Sache in die Hand genommen und beim Hotel an der Rennstrecke angerufen. Auf die Idee wäre ich nie gekommen. Entwarung!!! Am Eingang B und C kann man noch Karten kaufen.

Als ich mich wieder beruhigt hatte kam der nächste Hammer. Ich fand meinen Autoschlüssel nicht mehr. In meiner Hysterie habe ich ihn irgendwo hingelegt, ich war mir fast sicher ihn heute schon mal gesehen zu haben und er war einfach weg. Zusammen haben wir dann eine Stunde gesucht, bis er dann wieder aufgetaucht war. Neben dem Computer!!! Endlich konnte ich losfahren.

Angekommen am Parkplatz musste ich aber feststellen, dass beim Eingang B und C keine Karten verkauft werden, sondern es nur ein stinknormaler Parkplatz ist. Na ja, arabisch wie ich eben schon geworden bin, dachte ich schweih, schweih nur nicht aufregen! Schau dir das erstmal an! Komisch, da kann ich die Ruhe bewahren!!!

Als ich dann mit dem Shuttlebus an der Rennstrecke angekommen war, kam gleich ein Typ auf mich zu, ich hatte mich noch nicht einmal umgessehen und fragte, ob ich Tickets bräuchte. Na klar! Na also, klappt ja doch wie am Schnürchen. Schon wollte ich die 370 DH rausholen,da sah ich eine Schlange von Pakistani und Inder stehen,welche alle ins Gebäude wollten. Die können sich alle gar keine Tickets leisten. Die verdiehnen ja gerade mal 400 DH im Monat. Da habe ich einen Pakistani angesprochen und der sagte mir, dass der Eintritt frei ist und jeder einfach so reinkommt. Ich hab dem nicht so sehr getraut und mindestens fünfmal nachgefragt, ob er sich sicher ist und ob man dann auch das Rennen live sehen kann. Er hat mir immer – im guten Englisch – versichert, dass man alles gut sieht und mitbekommt. Wer ist denn so blöd und zahlt wenn man das auch umsonst bekommt? Ich stellte mich brav in der 500 Meter langen Pakistani, Inderschlange an und keine 10 Sekunden kam ein Security und meinte, ich als Frau dürfte natürlich ohne warten rein. Wie leicht es sich in einem arabischen Land lebt.

Drinnen angekommen ging schon gleich das erste Rennen los und ich hab erstmal versucht eine guten Platz zum fotografieren zu finden. Das war nicht so einfach, zwischen den tausenden anderen Menschen. Ich war leider so spät drann, dass ich sozusagen nur noch die Resevebank abbekommen habe. Deswegen sind die Bilder auch leider nicht optimal geworden.

Da ich noch nie bei einem Pferderennen war und mir nichts darunter vorstellen konnte, fand ich natürlich alles aufregend und interessant. Erstmal habe ich die Pferde beim Kreiseln in dem Ring betrachtet und versucht die Favouriten von Flumur ausfindig zu machen. Das waren meine Anhaltspunkte. Leider startete das Rennen immer irgenwo anders. So konnte man immer nur den Einlauf – heißt das so? – sehen und das ging so schnell und ich verstand gar nichts. Das erste Rennen vorbei war, bevor ich überhaupt begriffen habe, wo ich hinsehen muss.
Aber dann habe ich Routine bekommen und war ein Profi der besten Billigplätze. Die Menge hat bei den Rennen so mitgefiebert, dass einem selber das Rennfieber ergreifen musste.

Das erste Rennen welches ich sah, war der 1200 Meter lange, neu eingeführte “Al Quoz Sprint” (1 Millionen Dollar). Sieger war nach einem spannenden Rennen California Flag (J.Talamo). Nach einem tollen Start war California Flag aus den USA immer vorne mitdabei und konnte im Endspurt an allen andern vorbeiziehen.

Zielfoto Al Quoz Sprint – man beachte die ganzen Pakis und keine Frau in Sicht :)

Das zweite Rennen war das “Godolphin Mile” (1Millionen Dollar) auf der Allwetterbahn. Sieger wurde Calming Influence (S.Kobayashi). Welcher mit großen Abstand gewonnen hat. Wenigstens konnte ich jetzt mal erkennen wer wer war, und es war nicht so ganz geknubbelb am Zieleinlauf.

Sieger Golphin Mile: Calming Influence

Beim 1900 Meter langem “UAE Derby” (2 Millionen Dollar) lag dann eindeutig Musir (C.Soumillon) vorne. Flumur hatte schon auf den Sieg getippt und auch ihre andern Favouriten Raihana (K.Shea) und Mendip (L.Dettori) wurden zweiter und dritter. Somit konnte ich das Rennen von anfang an gut mitverfolgen, obwohl das Feld lange Zeit ziehmlich eng zusammen war. Im nachhinein habe ich mitbekommen das sich leider Timely Jazz mit dem Norweger P.Graberg während des Rennens das Bein brach und eingeschläfert werden mussten. Sie lagen vorne mit im Feld und auf einmal sah man, das das Pferd zu humpeln anfängt und nach hinten abfällt.

Beim vierten Rennen dem 1200 Meter langem “Dubai Golden Shaheen” (2 Millionen Dollar), siege überlegen Kingsale King (G.Gomez). Dieses Rennen fand auf dem Tapeta-Geläuf statt. Ich hätte ja den zweitplazierten Rocket Man (R.Fradd)besser gefunden. Elton John gab noch ein Konzet im Anschluss und ich fand, dass hätte gut gepasst. Na, ja auf mich hört ja keiner.

Dann kam schon das fünfte 1900 Meter lange Rennen, welches auf der Grasbahn gelaufen wurde. Das “Dubai Duty Free” (5 Millionen Dollar). Routiniert schaute ich mir das Rennen an, welches Al Shemali (R. Ffrench) für sich entscheiden konnte. Er war für mich die ganze Zeit fast nicht zu sehen, da er immer in der Innenseite war und auf den letzten 500 Metern auf der Zielgeraden nach vorne schoss.

Siegereinlauf Dubai Duty Free

Sieger Al Shemali

Das traditionell 2400 Meter lange “Dubai Sheema Classic” (5 Millionen Dollar), hat mir besonders gut gefallen, da der Siegerjockey (W.Buick) ein pinkes Outfit hatte und der Name der Siegerstute Dar Re Mi ist. Find ich irgendwie wohlklingend! Besonders wie der Kommentator es immer ausgesprochen hat. Auch die Stute lag das ganze Rennen im Mittelfeld, diesmal nur außen, so konnte ich sie wieder mal, dank des Tipps von Flumur, die ganze Zeit beobachten. Frauenpower sag ich nur dazu. Leider konnte der aus Deutschland stammende Quijanjo (A.Starke) von Anfang an nicht an der Spitze mitlaufen. Dafür sah er aber gut aus. Ich finde das auch wichtig. Wenn man schon nicht gut ist …

Dar Re Mi  Sieger Dubai Sheema Classic

Quinjano aus dem Gestüt Fahrhof aus Deutschland

Und dann kam auch schon das Highlight des Tages. Ich hatte vor lauter Aufregung den ganzen Tag noch nichts gegessen, getrunken, geschweige dem war ich auf der Toilette gewesen. Aber es hat sich echt gelohnt. Der “Dubai World Cup” (10 Millionen Dollar) auf der Allwetterbahn, war wirklich spannend und ein knistern lag in der Luft. Das Rennen selber war nicht ganz so spannend, da Gloria de Campiao (T.Pereira) schon von anfang an, ganz vorne lag und den Sieg ganz knapp, ganauer gesagt um eine Pferdeschnauzenlänge gewonnen hat. Ich dachte dem Namen nach erst, das wäre eine Stute….

Gloria de Campeao Sieger Dubai World Cup

Zwischen den Rennen gab es diverse Aufführungen, Chore sangen, Reden des Scheichs wurden poetisch geschwungen und ein großes Feuerwerk durfte auch nicht fehlen. Wie es sich in den Emiraten gehört!!! Immer schön viel Geld für Schnickschnack ausgeben!!!

Ich wollte nach dem Rennen eigentlich schnell nach Hause, aber da die Busse so überfüllt waren, gönnte ich mir eine Cola und ein Wasser für ungerechnet 1 Euro und ging auf die Toilette. Danach suchte ich mir ein ruhiges Plätzchen und genoss das nächste Megafeuerwerk und danach die Auftritte von Elton John und Santana.

Bettina glücklich und zufrieden am Ende des Renntages

Um 3 Uhr am Morgen lag ich dann im Bett und habe fast die ganze Woche gebraucht um mich davon zu erholen. Ich hoffe, dass ich nächstes Jahr alles ein bisschen früher organisiere und dann wieder die großen Cracks der Rennsportwelt in dieser wunderschönen Anlage und Athmospähre genießen kann.